Der Samstag, 13.10.2018, war schon Monate vorher bei vielen von uns Ladenburgern auf dem Sender. Nicht bei allen, die im Boot waren. Manch einer hätte ein paar Trainingseinheiten mehr haben können. Das nur als Ansporn für das Folgejahr, Leute.

Der Monkey Jumble ist DAS! Ereignis im Jahr in der Drachenbootszene, was Langstrecken-Regatten anbetrifft. Nachdem der Armada Cup nicht mehr stattfindet ist Saarbrücken das non plus ultra und die Römerdrachen waren dabei, nachdem 2017, schmerzlich für viele, einmal ausgesetzt worden war. Es ist halt ein logistisches Meisterwerk für so eine Abteilung. Schon oft hat hier unser Dietmar mit seinem Team Lob und Anerkennung erhalten. Diesmal wieder.

Unsere Mannschaftsaufstellung wackelte bis zum Samstag und gebar uns dann auch einen hochdekorierten Überraschungspaddler, der sich auf Bank 10 niedergelassen hatte. Neun starke Frauen und elf Vertreter des männlichen Geschlechts, das waren wir! Alles Eigengewächse, keine „zugekauften“ Fremdpaddler.

Das Schlimme ist ja das Warten bis es endlich losgeht. Das djingle wurde über die mokey-jumble-Gruppe schon vorher verschickt und hat der Schlagfrau schon 18 Stunden davor die Gänsehaut hochgehalten. Wenn man dann endlich Stunden vorher auf dem Gelände in Saarbrücken ist wird man ständig durch den markanten Geräuschemix an das Bevorstehende erinnert. Ja was ist denn das überhaupt für ein Geräusch? Eine Mischung aus Zischen, Brandungsgetöse - und Affenschreie. Wirklich haarsträubend, soweit vorhanden. Das Salut-TV hat unsere Trainer im Warmmachprogramm (Anruf von der Oma… ) auch noch live interviewt und Erfolg gewünscht.

Mit der Nummer 26 wurden wir in die Startreihe 7 eingeordnet, vier Boote nebeneinander. Insgesamt waren 53 Starterboote angemeldet, in zwei Kategorien (35 Sport und 18 Fun). Sportlastig also das Ganze, auch die Römerdragons müssen in der Sportklasse starten.

Der Start des Monkey Jumble 2018 ...

So gegen 13:45 Uhr wurde geboarded. Start war um 14:30 Uhr angesetzt. Spätestens jetzt geht der Puls hoch. „Adrenalin hilf das zu überstehen“ schreit der Körper. Das Geräusch verdichtet sich mehr und mehr, je näher es zur den drei zeitgleichen Kanonenschüssen des Starts kommt. Es sind jetzt an die Tausend Paddler auf dem Wasser! Welche Energie da über der Saale wabert ist kaum auszuhalten. Wenn die meditative Schlussmusik eine Minute vor dem Start ausgeht ist es totenstille. Dann der erlösende Donner der Kanonen. Los geht’s, immer noch mit bangem Gefühl.

Die Startsequenz haben wir gut gemeistert, ab der Zeitmessung „20 volle Rotze raus“ und dann auf die Langstrecke ohne Experimente zunächst mal, bis wir uns orientiert haben, sagt der Steersman. Das bleibt beim situativen Ansatz. Wenn alle den Schlag hochhalten, müssen wir halt mithalten. Und warum rollt mir bereits nach knappen fünf Minuten die erste große Welle von hinten über den Schoß? Ach, die hinter uns gestartet sind, sind schon am Überholen! Was ein Gewusel, Ihr glaubt das nicht wie da laviert, balanciert und austariert wird. Schon jetzt scheint jeder Zentimeter, jede Sekunde zu zählen. Ohrenbetäubend, das Schreien der Steuerleute und Trommler, Das Bumm, Bumm der Trommeln und im Hintergrund die Affenschreie. Die Strecke zur ersten von drei Wenden wird von Fragen wie: „Warum mach ich das eigentlich? Oder : „Wie wahnsinnig muss man denn sein, um hier mit zu machen?“

Zurück im Boot zählt jetzt nur noch Disziplin, aufpassen was von vorne und von hinten an Manövern in die Galeere geschrien wird und paddeln, paddeln, paddeln. Die erste Wende wird passiert unter Verlust des Drachenkopfes. Der Schwanz bleibt noch bis zum Schluss dran. Raus mit Beschleunigung und Überholen, Abschütteln und fahren lassen der Gegner. Was diesmal auffällt ist, dass es immer wieder Pulks von drei bis fünf Booten gibt die sich untereinander batteln. Bei früheren Rennen ist man streckenweise immer mal wieder alleine gefahren. Diesmal war die ganze Zeit Action angesagt. Habe ich den fliegenden Kameramann schon erwähnt? Mit seinem schnuckeligen weißen Fahrrad mit den kleinen Rädchen hat er vom Ufer aus frei Hand mit dem Handy das ganze Rennen gefilmt. Das kann doch nichts werden? Aber doch, es ist was geworden! Auch die Drohnenaufnahemen, klasse. Der lange Weg bis zur zweiten Wende bleibt aufregend. Steuermann, Schlag und Trommlerin können sich nicht immer gegenseitig verstehen. Es ist einfach zu laut rings um uns rum. Ein Lieblingsgegner war ein „Hamburger Boot“. Mit denen haben sich die Römerdragons kilometerlang gekabbelt. Sie auf unserer Welle wir auf deren, so ging das gefühlte Stunden mal rechts mal links immer wieder mit Paddelgeklapper, weil wir uns zu nahe gekommen sind. Hab ich gar nicht verstanden warum. Später die Aufklärung: der gegnerische Steuermann hatte sein Langruder zu locker gebunden und verlor ab und zu die Richtung. Bei der zweiten Wende wurde es sehr eng. Das Manöver des Steuermanns „rausnämme“ kam bei Trommlerin rein akustisch nicht an, sie prügelte „Druck rein“ ins Boot. Der fast Querstand kostete Zeit, trotzdem behielt man die Nerven und kam dann doch schneller aus der Verhakelung mit den Hamburgern wieder raus als gedacht. Doch die Hamburger kleben wie Schmeißfliegen an unserem Boot. Die ganze Strecke bis zur dritten und letzten Wende fahren wir eng aneinander mit wechselnden Rhythmen und Krafteinsätzen. Das kostet Körner! Unaufhörlich wird auf die Paddler eingepeitscht um diesem Druck stand zu halten. Und es läuft. Durch reinrollende Wellen laufen die zwei Pumpen auf Dauerbetrieb.

Die letzte Wende ist für alle Steuerleute eine besondere Herausforderung. Hier können durch geschicktes innen Einfahren Gegner ausgetrixt werden. Die Manöver der Steuerleute sind da sehr fragil anzugehen und vor allem sind die großen und kleinen gelben Tonnen der Wenden zu beachten. Wenn da eine umfahren wird gibt’s gleich Strafen. Wir hatten eine spannende Wende, mit Bootskontakt und allem drum und dran. Die letzte Strecke ist der Druck gleich nach der Wende enorm. Immer noch kleben die Nordlichter an uns und weiter vorne noch zwei Boote, die geknackt werden könnten. Dass da noch so viel Kraft im Boot ist, um einen Schlenker nach links auszuhalten, um zwei weitere Boote zu passieren ist kaum zu glauben.

... das Team ...

Der Endspurt! Mit vier Booten nebeneinander, die sich nichts schenken rasen die Römerdragons unter großem Beifall der Zuschauer ins Ziel. Die Hamburger waren immer noch neben uns. Ein sehr spannendes, abwechslungsreiches, niveauvolles Rennen lag hinter uns.

... die letzten Meter ins Ziel!!

Ziel erreicht nach 56:37,824 Minuten. Somit sind wir die 11 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 11,7 km/h gefahren.

Danke allen, die sowas möglich machen.

Uwe Bayer

Schriftführer Romerdragons

und infizierter Monkeyjumbler