Mit der Teilnahme an der Vogalonga, einem gigantischen "Rennen" muskelkraftgetriebener Boote in Venedig, erfüllten sich einige von uns einen Traum.

 

 

Im Folgenden ein Bericht von Uwe Bayer (von Zagg etwas an die verfügbaren Bilder angepasst) über die Erlebnisse bei unserer ersten Vogalonga.

So viel sei bereits verraten, es wird mit Sicherheit nicht die letzte gewesen sein.

 

 

Ankunft Freitag, 25.5.2012 um ca. 18:00 Uhr nach 12 Stunden im zaggbetreuten Bus von Dietmar Schuff auf unserem Campingplatz östlich von Venedig bei Cavallino-Treporti.
Danke Dietmar für die kostenlose Bereitstellung des Busses.

Zu zehnt sind wir mit drei Autos am Freitag gelandet und nach einem kurzen Hüttencheck ging es für die meisten erst einmal an den Strand zum Meer. Nun ein kleiner Schock: Auf den kurzfristig organisierten Shirts hat sich ein Buchstabe zu viel eingeschlichen. Vongalonga war zu lesen anstatt Vogalonga. Wir nahmen es mit Humor und tuschierten es bestmöglich. Abends testeten wir gemeinsam das Restaurant des Camping-Platzes und waren erstaunt über die leckere Ofen-Pizza, die unglaublich schnell nach der Bestellung bereits serviert wurde. Einziger Wehmutstropfen; die Mücken fraßen uns auf!

Der Samstag begann mit dem frühen Aufstehen und der Fahrt zum Zeltplatz auf dem die Böckinger lagerten. Unser Boot haben sie freundlicherweise von Deutschland mitgenommen, sodass nur ein Bootsanhänger gezogen werden musste.
Danke dafür lieber Harry und Uwe Müller, dass Ihr uns da unterstützt habt.
Das offizielle Briefing für die Vogalonga hat ungefähr eine Stunde in Anspruch genommen. Jetzt wussten wir so ungefähr wo es langgeht, zunächst mal vom Zeltplatz mit den Booten zum Markusplatz nach Venedig wo die Regatta starten sollte. Wir verabredeten, dass wir mit drei Booten im Konvoi dorthin fahren (Saarlouis, die haben schon Erfahrung, Böckingen und Ladenburg). Das werden die ersten 6-7 Kilometer sein, die wir am Sonntag fahren werden, mehrmals über die Wasserverkehrsstraße.
Nachdem das geklärt war ging es ab nach Venedig-City mit den Vapos zur Registrierung am Fischmarkt, wo wir auf eine wartende Menschentraube stießen. Ecki hat das Registrieren übernommen, der Rest der Gruppe hat sich in das Treiben von Venedig geworfen cave trinken, einkaufen, essen, Zerstreuung suchen.. Beim Überqueren der Fahrrinnen von und zu unserer Zeltplatzseite habe ich mit gemischten Gefühlen den Wellengang beobachtet, den wir ja am nächsten Morgen für die Überfahrt zu erwarten hatten, uih, jui jui. Nicht von schlechten Eltern.

Wieder Abendessen zusammen auf dem Zeltplatz, die restlichen fünf der Gruppe waren inzwischen auch eingetroffen. Weiter weg fahren lohnte sich nicht, alle wollten morgen fit sein. Ein wenig Spannung macht sich breit, morgen ist es soweit.


Sonntag, Vogalongatag, aufstehen um 6:00 Uhr. Fertig machen, für das Treffen mit den Heilbronnern und Saarlouis zur Überfahrt nach Venedig zum Markusplatz. Um 9:00 Uhr wird dort gestartet. Das Saarlouiser Boot hatte zu unserer Verwunderung einen 5 PS-Motor am Drachenboot installiert. Wie gesagt, die hatten ja schon Erfahrung, was erwartet uns denn da??
2009 muss ziemlich übel gewesen sein, erzählte man sich. Um 7:18 hat die Überfahrt dann im Konvoi begonnen. Optimales Wetter, bedeckt, kein Wind, sehr wenig

Schiffsverkehr- zunächst. Die Strömung ging zum Ziel hin, also Richtung Markusplatz. Die Schifffahrtsstraße musste mehrmals überquert werden, die wenigen Bootstaxis und Vapos wurden durch einen Wolkenkratzer in Form eines riesigen Passagierschiffes und einer Autofähre ersetzt, die sich unaufhaltsam unseren Nussschalen näherten. Ein Begrüßungs- oder eher ein Warnsignal, das aus den Tiefen eines riesigen Signalhorns uns entgegenwabert weist uns darauf hin, wer der Chef ist. Mit ganz langsamer Fahrt werden wir von diesem Hochhaus passiert, unbeschreiblich beim ersten Mal.
Achtung Grund! Vor uns steckt ein Drachenboot im Sand fest. Unsere Steuerleute haben aufgepasst, nur die Paddel spürten den sandigen Grund.

Mehr und mehr Boote aller Art massieren sich in Richtung Markusplatz. Ein unvorstellbares Gewimmel. Etwas außen vor warten wir ab 8:30 Uhr auf den Startböller, der kurz nach 9:00 Uhr begleitet von Glockengeläut die Spannung zerriss.
Jetzt ging es los!
Alle in den letzten Tagen aufgekommenen Bedenken um die Länge der Strecke und mögliche Abkürzungen waren vergessen. Aus diesem Sog des Sogs der Boote kommt man nicht mehr raus. Will es eigentlich auch nicht mehr, wenn man mitten drin steckt. Erstaunlich locker liefen die Kilometer von der Hand bei der tollen Aussicht und dem ganzen Geschehen um uns herum. Immer wieder Krachte es bei anderen in den vielen Kurven und Markus manövrierte uns immer geschickt durch die Lücken der Engpässe.

Wir sind alles gefahren, die ganzen 30 Kilometer, und haben dabei so viel ruder- und paddelbare Wassergefährte gesehen dass es uns schwindelig wurde. Elend lange Holzgondeln mit 20 Gondolieri, Skiffboote aller Art, OC1 Marke Eigenbau aus Teakholz, OC2, OC3, OC6, ein Doppeldrachenboot mit Plattform für die zentrale Trommel zwischendrin (die Frankfurter), rosa, pinke, hellblaue Gondeln, 1er und 2er-Kajaks, Ruderboote die im Stehen über kreuz gerudert werden (1er, 2er, 3er, 4er), ein Tretkajak, natürliche eine ganze Anzahl von Drachenbooten aus ganz Europa, man kann gar nicht aufzählen was da so im Wasser war. Bei 1800 teilnehmenden Booten auch kein Wunder. Und alle waren gut drauf!
Wir haben vom Start bis zum Hintereingang zum Canale Grande ziemlich genau 3 Stunden gebraucht. Eine gute Zeit. Unsere Freunde, die Neckardrachen haben wir seit der „Insel der weißen Ärsche" (Pippipause-Insel) nicht mehr gesehen, haben uns dann aber wieder zusammentelefoniert damit wir zum Finale durch Venedig wieder zusammen waren.
Gleich vor der ersten Brücke hatte sich ein Ruderboot quer gestellt, sodass kein Durchkommen für die in Massen ankommenden Boote war. Der Empfang für uns von den Venezianern und Stadtbesucher am Ufer war überwältigend: Ein Männerchor ziemlich am Anfang, Glockengeläut im Hintergrund, Barmusik aus den Kaffees und Tavernen (da kam auch mal ein Spenderbier rüber ins Boot), Rätschen und kleine Glocken wurden gedreht und gebimmelt. Das musste Zagg im Foto bannen. Er hat spontan das Boot verlassen und von außen Aufnahmen gemacht.
Im Drachenboot durch Venedig, nur mit Gleichgesinnten keine nervösen Motorboote nur Paddelschlag und fröhliche Stimmung. Eckis Glücksgefühle kamen so in Wallung, dass er den Rex-Gildo-Song „fiesta, fiesta mexicana“ kurzerhand in „Fiesta, Fiesta Veniziana“ umdichtete und vor und unter jeder Brücke, die voll von Besuchern waren, mit Unterstützung der ganzen Paddelmannschaft einschließlich unserer Gastpaddler aus Neckarsulm, Böckingen und Heilbronn zum Besten gab. Martina und Maxi haben wir an der Rialtobrücke gesehen. Ecki´s Brust war stolz geschwollen.
Am Ausgang des Canale Grande wurden uns die Teilnehmerdiplome und Medaillen überreicht – direkt ins Boot.
Wir hatten es geschafft, wir hatten die Vogalonga 2012 durchgepaddelt mit 4 Gästen der Neckardrachen, die mindestens so viel Spaß hatten wie wir.

 

Jetzt nur noch der Weg zurück, aber wie? Erst mal raus aus dem Getümmel, weg vom Markusplatz aber in ein sehr unruhiges Gewässer, in dem es von Motorbooten nur so wimmelte, auf der Suche nach einem ruhige Seitenarm. Die Suche führte uns in immer unruhigeres Fahrwasser. Harry meinte die dritte Einfahrt in einen Seitenkanal wäre gut – Einbahnstraße- das Fahrwasser wurde immer kabbeliger und jede Menge Schiffsverkehr. Die Guardia Civil im grauen Schnellboot wurde auch schon auf uns aufmerksam. Ein gewagtes Manöver von unserem Steuermann Markus, ich denke das war das gewagteste seiner bisherigen Laufbahn, eine Wende von 360 Grad in diesem brodelnden Wasser und dann rein in den Seitenkanal in den Harry auch reingestochen war. Nach kurzer Diskussion eine Pause von ca. einer Stunde – ausruhen für die Rückfahrt zur anderen Seite der Lagune.
Dieses Ziel erreichten wir erst viel später, weil die nautische Navigation anders funktioniert wie die an Land.

Wir konnten einfach den richtigen Abzweig nicht finden um den geplanten Wellenloseren Weg einzuschlagen, sodass wir den ganzen Canale Grande nochmals in die andere Richtung gefahren sind. Nicht viel weniger bejubelt vom Ufer her und das Lumpensammlerboot haben wir auch noch mit dem letzten Boot gesehen.
Moment mal: Nach dem Letzten wird die Schifffahrt auf den Schifffahrtsstraßen wieder vollends frei gegeben. Da müssen wir jetzt mehrmals drüber nach jetzt so ca. 50 Kilometern Strecke und zwar gegen die Strömung, ging mir so durch den Kopf. Es hilft alles nichts, auch dieser Umweg musste gefahren werden. Die Ansicht des Markusplatzes kannten wir jetzt von allen möglichen Seiten. Unser Scout in Harry´s Boot war Uwe Müllers Schwester. Als Gallionsfigur auf dem Trommelsitz hatte sie die richtige Position und konnte die Richtung zurück endlich finden. Jetzt nur noch paddeln, komme was da wolle. Es wurde unruhig, das Wasser, wie es zu erwarten war.
Aber es gab kein Murren und Klagen im Boot. Mit gesteigerter Aufmerksamkeit und Disziplin im Boot wurde die Strecke zurück gebolzt.
(Das hat Uwe alleine so gemacht ;-): Ich musste meine ganze Disziplin aufbringen um nicht einfach aufzuhören und da ich den Innenarm schon fast unter dem Boot hängen hatte war von "Bolzen" bei mir keine Rede mehr. Die Anstrengungen waren enorm, vor allem zum Schluss. Aber sie waren es absolut wert! Zagg)

Freundliche Schiffstaxiskapitäne ließen uns „passare“ und den Vapos gingen wir, wenn möglich, großräumig aus dem Weg. Die Riesenwellen der Freizeitkapitäne mit ihren Jachten und hochgezüchteten Motorbooten mussten wir erdulden mit ausschaukeln, abreiten und Wasser fassen. Vor der letzten Querung der Schifffahrtslinie rollten noch zwei Monsterwellen auf uns zu, dann rüber in Richtung des rot-weißen Krans und dem abgebrochenen Turm.

Endlich, so gegen 18:00 Uhr hatten wir es wirklich überstanden.
Fester Boden hatte uns wieder. Glückshormone und Adrenalin im Blut, ein Cocktail in uns, mit dem wir jetzt entspannt und genüsslich ein Abendessen einnehmen konnten, gesponsert von unserem Gönner Willi Schnabel.


Dank an alle, die dieses Abenteuer möglich gemacht haben, unseren 13 Paddlerinnen und Paddlern:

Agnes, Bettina, Martina Danni, Mari, Susi, Ecki, Zagg, Kresco, Micha, Michael, Uwe , dem Steuermann Markus, der an diesem Tag über sich hinausgewachsen ist.

Tschüss dann, ein sehr zufriedener Uwe

 

Daten und Fakten:

 

Anfahrt zum Start: ca. 8,95 km

 

Rundkurs: ca. 26,78 km

 

Rückfahrt: verlängert auf ca. 18,17 km

 

Gesamt: 53,9 km

 

tmp_Vogalonga2012_Route

 

Videosammlung: